Der dritte Tag...
Nach unserem üblichen Frühstück im Everest-Café trafen wir einen Motor-Riksha-Fahrer, den Sina schon von ihren vorigen Aufenthalten in Delhi kannte – den guten Mr. Singh. Übrigens der erste Riksha-Fahrer dem ich ein beherztes „Nahin“ (Indisch für „Nein!“) mit abwinkender Handbewegung entgegenschmetterte – umso unangenehmer, das Sina ausgerechnet ihn sehr gut kannte…^^
Mr Singh quatschte solange auf uns ein, bis er uns zu einer Tour zum Gandhi Museum, HumayunsTomb und Old Delhi überredet hatte.
So lustig es sich anhört – Riksha-Fahren hat total was. Man lehnt sich einfach in einem dieser klapprigen Gefährte mit 3 Rädern zurück und kann bestens das herrschende Verkehrschaos begutachten. Rikshas haben zudem keinerlei Fenster sondern sind zu beiden Seiten hin offen, sodass einem der Wind die ganze Zeit entgegenpfeift und es von der Temperatur her deutlich angenehmer macht.
Am Gandhi Museum angekommen, machte sich dann ein wenig Enttäuschung breit. Zwar hat man Mahatma Gandhis letztes Anwesen (in dem er ermordet wurde) sehr schön zu einem Museum hergerichtet, aber wer wie beschrieben ein Multi-Media-Museum erwartet hatte, der musste mit einem Schmunzeln zur Kenntnis nehmen, das mit Multi-Media gemeint war, dass hier ein paar Touristenspielchen, klapprige Kopfhörer und aufgebaute Püppchen aus den 70er Jahren das Leben des großen Mahatma Gandhis wiederspiegelten. Sehr interessant war jedoch, dass man Zugang zu Gandhis privaten Räumen und seinem großen Garten hatte, sodass man hier zumindest ein wenig relaxen konnte.
Der nächste Stop war dann HumayunsTomb. Wie üblich bezahlt man als Tourist, um sich die Sehenswürdigkeit anschauen zu können, mehr als 10x soviel wie indische Touristen, was dem ganzen oftmals einen faden Beigeschmack gibt. HumayunsTomb an sich, macht jedoch alles wieder wett. Ein unglaublicher beeindruckender Bau aus rotem Sandstein, bei dem man nicht wissen will, wieviel Arbeit es gewesen sein muss, die einzelnen Ornamente und Co in die Steine einzubetten. Ziemlich beeindruckend!
Zum Tagesabschluss ging es dann nach Old Delhi. Fakt ist, wenn man mal in Delhi ist, so sollte man sich den Gewürzmarkt und den Stadtteil Old Delhi auf jeden Fall mal angeschaut haben. Trotz allem war es für mich als Tourist, der Indien noch nicht ganz gewohnt ist, sehr schwer hier zurechtzukommen. Unfassbar viele Menschen leben hier auf engsten Raum und die Bürgersteige gleichen einem Hindernisparcours durch liegende Menschen, Müll, Fahrräder, Motorräder, Kühen und selbstverständlich hastenden Menschen. Körperkontakt ist hier im Gehen absolut nicht zu vermeiden und man klebt sowohl an seinem Hinter- als auch Vordermann. Auch die Geruch- und Geräuschkulisse ist alles andere als gewohnt, aber endlich hatte ich mal das Gefühl etwas von dem Indien mitzubekommen, das nicht nur für Touristen hergerichtet ist.
Viele Eindrücke, die ich besonders in Old Delhi gewonnen habe, fand ich sehr beeindruckend. Zum Einen können Inder anscheinend überall schlafen, selbst auf Gehwegen in Old Delhi inmitten unfassbar vielen Menschen und einer krassen Geräuschkulisse. Zum anderen ist hier absolut jeder relaxt und trotz des absolut chaotischen Verkehrs habe ich bis dato noch nicht einen Unfall hier gesehen obwohl sich hier alle Autos untereinander berühren. Der deutsche Autoliebhaber wird sich das vielleicht mit Schrecken vorstellen, aber Autos ohne Beulen gibt es in Indien nicht. Bezeichnend war eine Riksha-Fahrt bei dem unser Fahrer sichtlich genervt von einem anderen Riksha-Fahrer war, der vor ihm gehalten hatte. Als Hupen nicht mehr half, ist er ihm beherzt einfach mal von hinten drauf gefahren. Während ich auf dem Hintersitz feierte, war die Konsequenz: der vordere Riksha-Fahrer fuhr ohne sich aufzuregen oder zu diskutieren etwas zur Seite sodass wir durchkonnten. So ist Indien – absolut unkompliziert :D
Genauso unkompliziert scheint es hier auch zu sein, an Strom zu kommen. Ich denke Bilder sagen hier mehr als tausend Worte ;)
Als letzten Tagespunkt hatten wir uns die Jama Majid vorgenommen, Indiens größte Moschee. Hierzu orderten wir erstmals eine Fahrrad-Riksha, die uns dorthin bringen sollte. Dort angekommen, erlebten wir aber eine ärgerliche Überraschung. Obwohl Sina schon vor 2 Wochen hier war und ohne Eintritt die Moschee besichtigen konnte, verlangte man heute tatsächlich von uns einen beträchtlichen Betrag um Einlass zu erhalten, während Inder kostenlos an uns vorbeischlenderten. Da auch Diskussionen hier nicht halfen und man keinen Hehl daraus machte aus Touristen Kapital schlagen zu wollen, entschieden wir uns dagegen und fuhren zurück zu unserem Hotel. Die Mentalität der Inder von Touristen mehr Geld zu verlangen ist absolut verständlich und legitim, die Methoden, die dazu jedoch teilweise angewandt werden und die Ausmaße hingegen sind sehr fragwürdig. Das ist dann eins der ganz wenigen Dinge, die ich an der Mentalität auszusetzen habe. Ansonsten sind die Inder ein absolut friedliches und freundliches Volk. Immer mit dem Bestreben Kontakt aufzunehmen und jemanden selbst ein freundliches „How are you?“ entgegenzuwerfen, obwohl die Antwort eh nicht verstanden werden kann. Allerdings ist gerade die jüngere Generation sehr wohl in der Lage ein echt gutes Englisch zu sprechen, sodass man oftmals in Smalltalk gerät, bei dem die Leute meist wissen wollen, woher man kommt, wielange man in Indien ist und was man hier so vor hat. Auch wenn es sich teilweise anders beschrieben anhört, der allgemeine Tenor ist, dass die Inder sich darüber freuen, dass Menschen aus der Ferne kommen um ihr Land zu sehen.
| Mahatma Gandhis Schlafzimmer |
| Humayuns Tomb |
| Auf einer Strasse in Old Delhi...lebensgefaehrliche Szenen in Indien :D |
| Good old Delhi |
| Das brandneue Modell "Renault Boeff3000"auf den Strassen Delhis |
| Auch ein sicheres Stromnetz wird in Indien grossgeschrieben |
| Eine ruhige Strasse im malerischen Old Delhi ;) |
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